Inkontinenz allgemein

  1. Was ist eine überaktive Blase?
  2. Gehen mit Inkontinenz auch Sexualstörungen einher?
  3. Was kann ich zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten tun?
  4. Was ist eine Lavierte Stressharninkontinenz?
  5. Was ist ein „Quetschhahnphänomen“?
Was ist eine überaktive Blase?

Unter einer überaktiver Blase (englisch: overactive bladder) wird eine Gruppe von Beschwerden verstanden, zu der häufiger Harndrang am Tag und in der Nacht, imperativer Harndrang („nötig zur Toilette zu müssen“) und eine Harninkontinenz mit Harndrang gehört. Die überaktive Blase kann bei chronischen Blasenentzündungen, bei neurologischen Erkrankungen, bei Prostatavergrößerung oder aber ohne jede erkennbare Ursache vorkommen. Die Behandlung besteht in aller Regel aus der medikamentösen Dämpfung des Harnblasenmuskels. Die Medikamente, die hier zum Einsatz kommen, gehören zur Gruppe der „Anticholinergika“.

Gehen mit Inkontinenz auch Sexualstörungen einher?

Der untere Harntrakt mit Harnblase und Schließmuskel sowie der Schwellkörper des Mannes und die Genitalorgane der Frau haben eine ganz ähnliche Nervenversorgung. Deswegen tritt eine Harninkontinenz häufig auch mit einer Störung der Sexualfunktion auf. Hierzu gehören die Erektionsschwäche des Mannes (erektile Dysfunktion) oder die Dyspareunie (Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr – z. B. trockene Scheide, „Gefühllosigkeit“) der Frau. In all diesen Fällen gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Hier ist Ihr Urologe oder Gynäkologe Ihr Ansprechpartner.

Was kann ich zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten tun?

Hierzu gehören ganz allgemeine Verhaltensmaßnahmen und Medikamente, die vorsorglich eingenommen werden können. Besonders bei Frauen ist es wichtig, dass sie die Blase regelmäßig entleeren (nicht nur zu Hause zwei Mal am Tag), dass sie viel trinken und vor allem nach dem Geschlechtsverkehr die Blase entleeren. Einmal eingedrungene Keime werden dann sofort wieder ausgespült, ehe sie sich „festsetzen“ können. Bei der Intimhygiene ist Wischen „von vorne nach hinten“ wichtig. Zur Vorbeugung vor Harnwegsinfekten gibt es verschiedene Möglichkeiten. Dies beginnt bei pflanzlichen Medikamenten, die Bakterien das Leben schwer machen. Hierzu gehören Preiselbeer- und Goldrutenkraut-Präparate. Außerdem ist eine Urinansäuerung möglich. In saurem Urinmilieu können Bakterien sich nur schlecht vermehren. Ist eine Erregeridentifizierung gelungen, besteht eine moderne Form der Vorbeugung bei Harnwegsinfekten der Frau darin, eine einzige Tablette eines solchen sicher wirksamen Antibiotikums nach dem Geschlechtsverkehr einzunehmen. Bei bestimmten Erregern ist es zudem möglich, mit einer Impfung das Immunsystem gegen diesen Erreger zu sensibilisieren.

Was ist eine Lavierte Stressharninkontinenz?

Hier handelt es sich um eine versteckte Stressharn- oder Belastungsinkontinenz.
Durch eine Blasensenkung kann die Harnröhre abgeknickt oder zugedrückt werden. Dadurch führt eine vorhandene Harnröhrenschwäche nicht zu Urinverlust, da die zu schwache Harnröhre durch einen mechanischen Druck zugehalten wird.

Was ist ein „Quetschhahnphänomen“?

Nicht selten ist eine Form der Beckenbodenerkrankung, bei der es nicht mehr möglich ist, die Blase vollständig zu entleeren. Dies kann daran liegen, dass durch eine Senkung der Harnblase die Harnröhre abknickt. Ärzte nennen das auch "Quetschhahnphänomen". Diese Störung der normalen Harnröhrenfunktion kann aber auch ihr Gutes haben. Nämlich dann, wenn die Harnröhre eigentlich als Verschluss defekt ist, aber ihr Knick eine Inkontinenz verhindert.
Man kann sich das so erklären: Stellen Sie sich vor, Sie sprengen den Garten und wollen die Düse schließen, doch sie tropft. Der Gartenschlauch ist also inkontinent. Wenn Sie nun den Schlauch knicken, reduzieren Sie den Wasserdruck auf die Düse und sie wird dicht, also kontinent. Andererseits will jemand mit Ihnen vielleicht einen Scherz treiben und knickt den Schlauch während Sie sprengen wollen. Der Schlauch bekommt dann eine Entleerungsstörung, die ganz einfach zu beheben ist: Sie heben die Knickung wieder auf. Kann die Harnblase sich wegen einer Knickung nicht entleeren, so kann diese Entleerungsstörung zum Beispiel durch eine Beckenbodenoperation behoben werden.