Behandlungsmethoden

  1. Hilft Beckenbodengymnastik bei Inkontinenz?
  2. Was ist eine Urodynamik?
  3. Was ist ein Miktionsprotokoll?
  4. Was ist ein PAD-Test?
  5. Wann ist eine Blasenspiegelung notwendig?
  6. Wird bei einer Inkontinenz in jedem Fall operiert?
  7. Mit welchen Erfolgsquoten kann ich bei einer Inkontinenzoperation rechnen?
  8. Wie funktioniert das „Band für den Mann“?
  9. Was ist ein TVT?
  10. Was ist ein Mesh?
  11. Was ist ein Pessar?
  12. Wozu dient die lokale Östrogenisierung?
  13. Was ist eine Botox-Injektion in die Blase?
  14. Was ist der intermittierende Selbstkatheterismus?
Hilft Beckenbodengymnastik bei Inkontinenz?

Ein Blick auf den Arm reicht bei Bizepsübungen aus, um zu beurteilen, ob die richtigen Muskeln trainiert werden. Beim Beckenbodentraining ist eine visuelle Kontrolle kaum möglich. Fast alles muss erspürt werden. Darum erfordern die Übungen viel Konzentration. Doch die Mühe lohnt sich: Viele Patienten und Patientinnen können durch das Training ihre Blasenschwäche lindern. Eine Belastungsinkontinenz lässt sich durch ein Beckenbodentraining oftmals sogar komplett beheben. Denn diese Form der Inkontinenz ist meistens auf einen zu schwachen Beckenboden zurückzuführen. Das Wichtigste ist bei den Übungen zunächst, ein Gefühl für die Muskeln des Beckenbodens zu entwickeln. So wird sichergestellt, dass bei der Therapie statt der Gesäß- und Bauchmuskeln auch wirklich der Beckenboden trainiert wird.
Patienten und Patientinnen, die unter Belastungsinkontinenz oder einer Senkung der inneren Genitalorgane leiden, sollten sich nicht scheuen, ihren Arzt um ein Rezept für eine spezialisierte Physiotherapie zu bitten. Denn nur unter fachkundiger Anleitung haben Patienten und Patientinnen die Sicherheit, tatsächlich die richtigen Muskeln zu trainieren.

Was ist eine Urodynamik?

Bei der urodynamischen Messung handelt es sich um einen Funktionstest der Harnblase und des Schließmuskels. Über einen spaghettidünnen Messfühler, der in die Blase eingeführt wird, werden Volumina und Drücke in der Blase sowie im Schließmuskelsystem gemessen. Dabei wird die Blase - wie das auch normalerweise mit dem einlaufenden Urin der Fall ist – langsam mit körperwarmer steriler Flüssigkeit gefüllt. Aus den entstehenden Kurven und Werten zieht der behandelnde Arzt Rückschlüsse auf die Art der Blasenfunktionsstörung und deren Ausmaß.

Was ist ein Miktionsprotokoll?

Das Miktionspotokoll ist eine Art Tagebuch, in dem Trink- und Urinmengen genau mit der jeweiligen Uhrzeit notiert werden. Es dient zunächst dem Arzt dazu, die Form der Inkontinenz zu ermitteln und so eine gezielte Behandlung einzuleiten.
Ebenfalls ist es sinnvoll, solch ein Miktionsprotokoll zu führen, um die Blase – zum Beispiel bei Dranginkontinenz – kontrolliert trainieren zu können. Ziel des Blasentrainings ist es, die Blasenkapazität, das heißt die Speichermenge, zu erhöhen und die Abstände zwischen den einzelnen Toilettengängen zu vergrößern. Auf keinen Fall darf die Trinkmenge reduziert werden! Der Körper benötigt mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag.

Was ist ein PAD-Test?

Unter dem PAD-Test ist der so genannte Vorlagenwiegetest zu verstehen. Der Patient entleert die Blase, trinkt eine definierte Menge Flüssigkeit, legt eine gewogene Vorlage ein und absolviert dann ein definiertes Programm mit Laufen, Treppensteigen, Händewaschen mit kaltem Wasser, Kniebeugen etc. Nach einer bestimmten Zeit wird die Vorlage erneut gewogen und der bis dahin passierte Urinverlust in Millilitern gemessen.

Wann ist eine Blasenspiegelung notwendig?

Zu einer Inkontinenzabklärung gehören in aller Regel auch das Röntgen und das Spiegeln der Harnblase. Dabei werden nicht nur die Harnröhre, der Schließmuskel, die Prostata beim Mann sowie die Blase selbst beurteilt, sondern auch das Ausmaß einer Senkung oder inkontinenzverstärkende Erkrankungen des Harntraktes aufgedeckt. Dazu gehören Steine, Entzündungen oder Polypen. Die Spiegelung wird mit flexiblen Instrumenten durchgeführt und ist nicht schmerzhaft.

Wird bei einer Inkontinenz in jedem Fall operiert?

Nein, viele Inkontinenzformen werden in aller Regel durch Medikamente behandelt. Dazu gehört die überaktive Blase, die sich in aller Regel sehr gut medikamentös behandeln lässt. Auch bei anderen Inkontinenzformen kann eine Operation erst in einem zweiten Schritt notwendig werden. So wird bei der häufigsten Inkontinenzform der Frau, der Belastungsinkontinenz, zunächst mit Beckenbodengymnastik, Gewichtsreduktion und mit medikamentöser Unterstützung therapiert. Sollten alle diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen, ist unter Umständen eine Operation notwendig, sofern dies vom Patienten gewünscht wird.

Mit welchen Erfolgsquoten kann ich bei einer Inkontinenzoperation rechnen?

Bei den modernen spannungsfreien Vaginalbändern gibt es heute Langzeitdaten über zehn Jahre. 90 Prozent der Patienten wurden und blieben kontinent.

Wie funktioniert das „Band für den Mann“?

Es wird von einem Schnitt am Damm um die Harnröhre herum seitwärts eingelegt. Es streckt und verlagert die Harnröhre nach innen und erlaubt dem Schließmuskel damit eine bessere Wirkungsweise. Etwa zwei Drittel der Patienten wurden kontinent. Bei anderen verbesserte sich immerhin die Schwere Ihrer Inkontinenz.

Was ist ein TVT?

Das TVT (englisch: tensionfree vaginal tape – spannungsfreies Vaginalband) ist der Prototyp eines Kunststoffbandes, das unter der Harnröhre die Harnröhre stützt. In der klassischen Version wird es um die Harnröhre herum in Richtung Unterbauch an der Blase vorbeigelegt. Das „TOT" (englisch: trans-obturator tape) wird in der Harnröhre quer im Beckenboden eingesetzt. Das Band sol die Harnröhre nicht komprimieren. Vielmehr bildet es ein Widerlager, das bei Husten, Lachen oder anderen Bewegungen die Harnröhre unterstützt.

Was ist ein Mesh?

Als Mesh wird ein netzartiges Gewebe bezeichnet, mit dem eine zu schwache Scheidenwand verstärkt werden kann, wenn eine Senkung mit einer Operation behandelt wird. Dabei wird das Netz unter der Scheidenhaut eingelegt und teilweise befestigt. Diese Methode wird schon lange von Chirurgen beispielsweise bei Leistenbrüchen angewendet. Das Netz kann aus synthetischem Material bestehen, vom Tier kommen oder ein Mischmaterial sein.

Was ist ein Pessar?

Unter einem Pessar versteht man eine Schale, einen Ring oder einen Würfel aus körperverträglichem, nicht allergenem Naturkautschuk, mit dem verschiedene Grade der Scheiden- und Gebärmuttersenkung behandelt werden können.
Pessare werden außerdem eingesetzt bei der Stressharninkontinenz, also dem unfreiwilligen Harnabgang bei Belastungen. Sie verhindern, beziehungsweise verringern den Harnverlust. Richtig eingesetzt kann das Pessar durchaus einen zufriedenstellenden Therapieerfolg leisten, sei es für wenige Monate oder auch auf Dauer, wenn zum Beispiel eine operative Therapie aus schwerwiegenden Gründen nicht möglich ist, oder zunächst nicht in Frage kommt, weil beispielsweise die Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist, oder die berufliche Situation einen längeren Ausfall nicht zulässt. Der Erfolg der Pessar-Therapie hängt von einer optimalen Anpassung und einem regelmäßigen Wechsel ab. Nach einer fachkundigen Anleitung ist die Selbstbehandlung das Ziel.

Wozu dient die lokale Östrogenisierung?

Wohl die häufigsten Ursachen für ständig wiederkehrende Blasen-, Harnröhren- und Scheidenentzündungen und auch von Reizzuständen, Schmerzen und Senkungen im Beckenboden-, Blasen- und Intimbereich sind durch Hormonmangel bedingte Gewebeschwäche und dünne Schleimhäute. Viele dieser Beschwerden lassen sich sehr rasch mit einer Hormonbehandlung bessern oder sogar heilen. Östrogene fördern den Aufbau von Haut und Schleimhaut, Muskelzellen und Bindegewebe. Dadurch verbessern sie die Abwehr von Infektionen und fördern - dauerhaft angewendet – die Elastizität und Geschmeidigkeit des gesamten Beckenbodens. Die Hormone werden als Creme oder Ovula direkt in die Scheide eingeführt. In den ersten zwei Behandlungswochen empfiehlt es sich, jeden zweiten Abend eine Vaginalcreme in die Scheide einzuführen, als Dauerbehandlung genügen grössere Abstände. Zum Beispiel 1 bis 2 mal wöchentlich abends eine Creme oder ein Ovulum (Scheidenzäpfchen).

Was ist eine Botox-Injektion in die Blase?

In hartnäckigen Fällen einer überaktiven Blase kann bei einer Spiegelung Botulinumtoxin A in den Blasenmuskel injiziert werden. „Botox“ ist ein äußerst stark verdünntes Bakteriengift, das auch zur Behandlung von Falten in der Schönheitschirurgie und von Muskelverkrampfungen in der Neurologie verwendet wird. Dabei ist das Verfahren sowohl bei der überaktiven Blase aus neurologischer Ursache effektiv, wie auch bei den Fällen, wo keine Ursache gefunden werden kann. Der Effekt setzt nach zirka 14 Tagen ein und hält für drei bis sechs, manchmal neun Monate an. Dann muss die Behandlung wiederholt werden. Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten, außer, dass die zuvor überaktive Blase sich nach der Behandlung schlecht oder gar nicht aktiv entleeren lässt. Für diesen Fall muss der Patient bereit sein, die Blase per selbst durchgeführtem Katheterismus zu entleeren.

Was ist der intermittierende Selbstkatheterismus?

Dies ist eine Behandlungsmethode von Blasenentleerungsstörungen, wobei der Patient lernt, mit speziellen, gleitfähigen Kathetern, sich selber zu katheterisieren. Dies ist bei Frauen und bei Männern gleichermaßen möglich. Der Patient behält seine volle Mobilität, kann an Leben und Alltag teilhaben. Die Blase kann mit dieser Methode weitgehend infektfrei gehalten werden. Folgeschäden sind daher nicht zu erwarten. Die Behandlung des „ISK“ (intermittierenden Selbstkatheterismus) wird besonders dann angesetzt, wenn simultan mit Medikamenten versucht wird, die Blasenfunktion zu rehabilitieren. Unter Umständen kann dies aber auch eine Dauertherapie darstellen. Die Methode wird von den Krankenkassen bezahlt, die Einmalkatheter sind per Hilfsmittelrezept zu erhalten.